Buch Restaurants in Adliswil

Alle Restaurants, Gasthäuser, Hotels & Take Aways in Adliswil mit historischen und neuen Aufnahmen
Softcover, Format: 25×20 cm, 112 Seiten Inhalt
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Einleitung Restaurants

Etwas überspitzt gesagt, war früher jedes zweite Haus im Zentrum Adliswils ein Wirtshaus. Mit dem Grundstein, der Frohburg, dem Frohsinn, der Krone und dem Bierhaus gab es rechts der Sihl, im Raum Zürich­strasse fünf Restaurants auf engstem Raum. Dazu kamen links der Sihl das Hotel Restaurant Bahnhof, der Gasthof ­Adler, das Restaurant Weingarten, der Sihlhof und das Restaurant zur Au.

Jüngere ­Leser können sich heute kaum mehr vorstellen, dass es einmal eine Polizeistunde (Sperrstunde) gab, d.h. um 23.30 Uhr hatten die Restaurants in Adliswil zu schliessen, nachher war Schluss mit lustig. Man konnte die Bettruhe etwas hinaus­zögern indem man sich ins Restaurant Schlossgarten in Kilchberg – der Lage auf der Höhe wegen auch Kistenpass genannt – verschob. Dort war die Polizeistunde erst nach Mitternacht um halb eins, 1997 wurde sie dann im Kanton Zürich ganz aufgehoben. Die Einhaltung des Gesetzes oblag damals dem Gemeindepolizisten.

Hier ein Müsterchen wie es bei der Kontrolle in Adliswil bisweilen zu und her ging.

«Der Gemeindeweibel war natürlich damals auch ein besonderes Original. Der Heiri ­Bossert, zuständig für alles, was es als Gemeindeweibel und Dorfpolizist zu tun gab. Er musste aber sein Velo selber kaufen, ebenso wie seine Mütze, kein Mensch hat sich darum gekümmert. Wenn etwa ein Einbrecher tatsächlich oder vermeintlich am Werk war, bereitete er so lange seine Pistole vor, bis dieser verschwunden war. Er bot aber auch die Polizeistunde in den Wirtshäusern. Er brachte es fertig, in eine Vorstandssitzung hineinzuplatzen und jeden einzelnen aufzuschreiben, komplett mit Vorname, Name, Geburtsdatum, Heimatort, Wohnort, «tutti quanti». Da nützte es nichts, wenn man ihm vorhielt: «Aber Heiri, du weisch doch, wär ich bin.» Wenn er alle fein säuberlich aufgeschrieben hatte, machte er sich weiter auf die Runde zum nächsten Wirtshaus, ohne dass er vergass, da eine würdige Amtsmiene aufzusetzen.

Nach einer bis anderthalb Stunden erschien er wieder, legte seinen Hut ab und hockte sich zu denen, die er aufgeschrieben hatte. Natürlich trank man dann mit ihm. Nach einiger Zeit zog er sein Notizbüchlein hervor, zerriss die Seite, auf denen er alle so minutiös vermerkt hatte, und trank fröhlich in der Runde weiter. Die Bussen selbst fällte damals übrigens der Gemeinderat an einer Gemeinderatssitzung. Später wurde der Heiri ­Bossert von der Kantonspolizei abgelöst, welche die Polizeistundenrunde übernahm.

Einmal überhockte man wieder einmal im ­«Frohsinn»; der Heiri Bossert erklärte, dass er nicht mehr auf die Runde gehen müsse. Anderentags erzählte ein Kantonspolizist, er habe schon die Türfalle des «Frohsinn» in der Hand gehabt, als er hörte, wie der Weibelheiri in Lautstärke 100 dozierte: «Ich beschtimme, wänn d’Polizeischtund isch, und suscht niemert.»

(Max Hotz im Buch «Seidenweber und Sihltalbürger» von Jacques Ritz; Heinrich Bosshard amtete von 1929 bis 1959 als Gemeindeweibel).

Im Januar 2017

Erich Huber